Schüler als Konsumenten

Mitteilung
Posted by Administrator (admin) on Sep 30 2010
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Artikel bei Spiegel online

Viele Schüler in Deutschland haben große Wissenslücken in Geldfragen. Das ergab eine Forsa-Umfrage, die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) am Dienstag in Berlin vorstellte. So gab ein Fünftel der 500 Zehntklässler an, ein Girokonto sei dafür da, "um angemessene Zinsen auf Ersparnisse zu erhalten". 52 Prozent wissen, wofür ein Girokonto wirklich gedacht ist. Fast ein Drittel weiß nicht, dass Kreditzinsen höher sind als Sparzinsen.

Die Studie war vom Verbraucherschutzministerium in Auftrag gegeben worden. Ministerin Aigner sprach bei der Präsentation von "gravierenden Defiziten beim Wissen um Alltagskompetenzen". Sie forderte mehr Vermittlung von Verbraucherwissen an Schulen. "Verbraucherbildung muss eben schon in der Schule beginnen, sei es als eigenes Fach oder auch im Rahmen bestehender Lehrpläne." Am Montag und Dienstag traf sie sich mit Vertretern aus den Ländern, um über bessere Verbraucherbildung in Schulen zu beraten.

Aigner wollte nicht soweit gehen, ein Pflichtfach zu verlangen. Warum auch, werden viele fragen - und das nicht ganz zu Unrecht: Kann man von Zehntklässlern, die gewöhnlich vor allem mit sich selbst und den lustigen Dingen des Lebens ausreichend beschäftigt sind, schon Durchblick bei so trockenen Themen wie Zinsen und Vertragsrecht verlangen?

Die Umfrage hat auch eine andere Botschaft

Doch selbst jene, die von den Kids ein solides Wissen in Verbraucherthemen einfordern, sollte die Umfrage nicht allzu sehr beunruhigen. Wer weiß, ob man nach zwölf Monaten von einem Kaufvertrag zurücktreten und Geld zurückverlangen kann, wenn das Produkt defekt ist? 40 Prozent der Zehntklässler kennen die Lösung (es geht nicht), obwohl die meisten wohl noch nicht eigenverantwortlich für ihre Rechte eintreten mussten.

Die Forsa-Umfrage hat auch eine andere Botschaft - dass nämlich Jugendliche bei manchen Dingen ziemlich genau Bescheid wissen. Beispiel soziale Netzwerke: Fast fast jeder befragte Schüler (97 Prozent) wusste, dass er von den Betreibern sozialer Netzwerke das Löschen beleidigender Bilder einfordern kann. Nur wenige glauben, dass die Betreiber nicht verpflichtet sind, dieser Forderung nachzukommen.

Beispiel Downloads: Sieben von zehn Jugendlichen wissen, dass es illegal ist, Downloads auf der eigenen Seite zur Verfügung zu stellen, auch wenn man das Angebotene gekauft hat. 28 Prozent glauben, das sei erlaubt. Sind das nun viele oder wenige? Solche Ergebnisse sind je nach Belieben deutbar.

Oder diese Zahl: Was ist der günstigste Handytarif, wenn man zwar viel, aber immer nur kurz telefoniert? Rund ein Viertel der Schüler weiß, dass es die sekundengenaue Taktung ist. Knapp ein Drittel hat auf die Frage gar keine Antwort. Ist das wirklich ein Informationsdefizit oder eher das Ergebnis des blickdichten Tarif-Dschungels der Netzbetreiber?

Verbraucherschützer fordert Schulfach Verbraucherschutz

Insgesamt beantworteten die Jugendlichen die Fragen zum Thema Internet zu 82 Prozent richtig. Im für Kids ferneren Gebiet Geld und Versicherung waren es 57 Prozent. Bei Fragen zu Verbraucherrechten gaben sie zu 48 Prozent korrekte Antworten.

Aigner schlug nun vor, die Themen in den Fachunterricht einfließen zu lassen. Finanzen könnten in Mathematik behandelt werden, Datenschutz in Sozialkunde und Ernährungsfragen in Biologie oder Erdkunde. In den nächsten zwei Jahren will sie für 420.000 Euro mit Hilfe der Verbraucherzentralen ein bundesweites Netzwerk schaffen und einen "Online-Kompass" zur Hilfe für Lehrer anbieten. Erste Projekte sind für Sommer 2011 geplant.

Dem Chef der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, reicht das alles nicht. Er hält ein Pflichtfach für notwendig. Viele junge Leute seien fit im Internet, aber nicht in anderen Themen. "Da ist wenig Wissen, weil über das Elternhaus manchmal nicht genügend vermittelt wird. Deswegen setzen wir uns für ein Pflichtfach Verbraucherbildung an Schulen ein."

Das ist jedoch ein alter Hut. Schulfächer zu fordern ist der Lieblingssport von Interessensvertretern. Das Fach Verbraucherschutz ist ein Dauerbrenner - gern gefordert auch: Wirtschaft (Wirtschaftsverbände), Datenschutz (Datenschützer), Volksmusik ( Heino).

bim

Artikel bei Spiegel online

Last changed: Nov 11 2010 at 07:32

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